Ein erheblicher Teil der Probleme, die im Schadenfall zutage treten, ist kein Regulierungsfehler, sondern ein Abschlussfehler: Bei der Entstehung des Vertrags ist etwas schiefgelaufen – still, folgenlos, über Jahre hinweg. Dieser Artikel geht die sieben häufigsten Abschlussfehler durch, zu jedem mit der Art der Vorbeugung.
1. Ungenaue Firmendaten: alter Name, falscher Sitz, fehlender Standort – im Schadenfall Klärungsrunden. Gegenmittel: beim Abschluss aktuelle Daten laut Firmenbuchauszug, bei Änderungen Nachtrag (Rollenverteilung). 2. Enge Tätigkeitsbeschreibung: Die Police nennt die Haupttätigkeit, das Unternehmen macht aber nebenbei noch anderes – der Schaden aus der Nebentätigkeit ist ungedeckt. Gegenmittel: die vollständige Beschreibung des tatsächlichen Betriebs in der Bedarfsanalyse. 3. Unterbewertete Werte: Buchwert statt Wiederbeschaffungswert, veralteter Lagerbestand – anteilige Kürzung im Schadenfall. Gegenmittel: Bewertung zum Wiederbeschaffungswert, jährliche Aktualisierung.
4. Verschobener Beginn: Die Deckung beginnt später als das Risiko – der Einzug mit einer ungedeckten Woche, das Projekt mit ungedeckten ersten Tagen. Gegenmittel: bewusste Planung des Beginns des Versicherungsschutzes. 5. Unüberlegte Selbstbeteiligung: eine im Zeichen der Beitragsoptimierung übernommene Selbstbeteiligung, die das Unternehmen bei einem tatsächlichen Schaden zu spüren bekommt. Gegenmittel: die Selbstbeteiligung an der Tragfähigkeit des Unternehmens bemessen, nicht an der Beitragstabelle – Kriterientabelle.
6. Ungeprüfte Police: Zwischen Angebot und Police besteht eine Abweichung, und niemand gleicht sie ab – die fehlerhafte Klausel, der fehlende Zusatz bleiben jahrelang unbemerkt. Gegenmittel: Die Policenprüfung ist unverzichtbar. 7. Sich selbst überlassener Vertrag: Nach dem Abschluss wandert die Police in die Schublade, das Unternehmen verändert sich, die Deckung nicht – das ist schon kein Abschlussfehler mehr, sondern ein Pflegefehler, aber seine Wurzel liegt beim Abschluss: Es entstand keine Zuständigkeit und keine Routine. Gegenmittel: Fälligkeitstabelle + jährliche Überprüfung. Die gemeinsame Lehre: Ein guter Abschluss ist kein schneller Abschluss – sondern einer, nach dem es im Schadenfall keine Überraschung gibt.
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